Kleinkindbetreuung: Ja oder Nein? Meine Zerrissenheit beim Gedanken daran

Wie geht es weiter nach dem ersten Jahr?

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Quelle: pixabay.com

Unser Sohn ist nun 7 Monate alt. So langsam rückt das Ende des ersten Lebensjahres näher und damit auch die Überlegungen zum Thema Arbeiten und Betreuung.

Wie sieht unsere finanzielle Lage aus? 

Will ich mein Kind in die Betreuung geben? 

Wenn ja: Wohin und wieviel?

Und: Wie wird es meinem Sohn damit gehen? 

Die Notwendigkeit der Arbeit

Unsere Familie befindet sich ganz sicher nicht in schlechter finanzieller Lage, aber wir leben auch nicht auf großem Fuß.

Wir besitzen zwei Autos (naja, fast), wir wohnen in einer Mietwohnung von 90qm Größe und vor der Geburt unseres Kindes trudelten jeden Monat zwei nicht ganz so schlechte Gehälter auf dem Konto ein. 

Auch wenn jetzt ein Gehalt durch das, doch sehr viel wenigere, Elterngeld ersetzt ist, geht es uns nicht schlecht. 

Aber finanziell wird es uns wohl lange nicht mehr so gut gehen wie vor der Geburt unseres Sohnes. 

Ab dem ersten Geburtstag unseres Sohnes wird sich unser Haushaltseinkommen im Gegensatz zum Vorjahr mehr als halbiert haben, wenn ich nicht wieder arbeiten gehe. 

Das ist schon ganz schön krass und wird erhebliche Einbußen für uns bedeuten. 

Unser Erspartes wurde gerade auch durch die letzten Raten an den Autos und die Rückzahlung von Bafög dezimiert.

Und nun?

 

Die Perspektiven?

Ich habe nun mehrere Möglichkeiten:

 

1. Erstmal noch zu Hause bleiben :

 

Ich habe sicherheitshalber zwei Jahre Elternzeit beantragt, da ich mir keineswegs sicher war (und auch noch nicht bin) ob und wann wir einen Betreuungsplatz für Sohnemann bekommen. Wir haben uns bei 7? KiTas (sowohl staatlich als auch vom Unternehmen und privat) beworben. Überall Warteliste, überall bekommt man frühestens 2-3 Monate vorher Bescheid ob man einen Platz bekommt. Ich wollte also diesen Sommer nicht wegen der Arbeit in Zugzwang bekommen und dann schnell irgendeinen Betreuungsplatz finden müssen. 

Ich kann dieses zweite Jahr also auch noch zu Hause bleiben und mit meinem Sohn genießen

Das bedeutet aber eine große finanzielle Einbuße, da ich das Eltergeld vollständig für das erste Lebensjahr beantragt habe. Ab Sommer kommt da also nix mehr. 

 

2. Während der Elternzeit Teilzeit arbeiten :

 

Ich kann während der Elternzeit bis zu 30 Stunden arbeiten gehen. Ich habe auch schon ein Angebot von meinem Arbeitgeber dazu bekommen. 

In den aktiven Einzelhandel kann ich nicht zurück gehen, weil ich da immer samstags arbeiten müsste. Das funktioniert nicht, da mein Mann auch samstags arbeiten muss und wir niemanden hier haben, der sich dann um unser Kind kümmern kann. Also habe ich die Möglichkeit ins Büro zu wechseln. 

Das bedeutet für mich täglich zwei mal die Strecke von 40km zurück zu legen, was an sich ja kein Problem ist. Aber jetzt rechnen wir das mal in Betreuungszeit um :

 

30 h in 5 Tagen = 6h pro Tag

+ 1h Fahrt = 7h pro Tag 

 

Das heißt ich müsste mein Kind mindestens 7 Stunden pro Tag betreuuen lassen plus einen Stau- und Überstundenpuffer.

Also 7.30 Uhr bis mindestens 14.30 - 15.00 Uhr. Dann kommen wir nach Hause, spielen, Kochen, essen, Bett, Tag vorbei. Am nächsten Tag von vorne. 

Reicht mir das? Reicht das meinem Kind? 

Ich fühle mich unwohl dabei. 

 

Also: weniger Stunden, weniger Tage? 

 

Ich kann auch weniger Stunden arbeiten und mein Kind früher abholen. Oder ich bringe die Arbeit in vier Tagen unter und habe dann einen zusätzlichen ganzen Tag den mein Kleiner bei mir verbringt... 

Aber das bedeutet auch noch weniger Geld. 

Und die Betreuung kostet je nach Einrichtung zwischen 350 und 500 € im Monat. Das muss man ja auch erstmal wieder rein bekommen plus Gewinn. Sonst lohnt es sich ja nicht. 

 

3. Der Staat :

 

Ein weiterer Gedanke, auch wenn es eigentlich nicht für mich in Frage kommt: Die Kündigung

Ich kündige meine Arbeit und bekomme dann nach der Sperrfrist Geld von Vater Staat. 

Ich kann nach der Elternzeit sowieso nicht mehr in meinen alten Job zurück, da ich mit kleinem Kind nicht vor habe mind. 45h pro Woche zu arbeiten. D.h. nach der Elternzeit muss ich schauen ob mein Arbeitgeber mich runterstuft oder keinen Job für mich hat (wobei das Letztere eher unwahrscheinlich ist). 

Ich würde so aber auf jeden Fall im zweiten Lebensjahr meines Sohnes mehr Geld bekommen, als wenn ich in Elternzeit bleibe. Und einen neuen Job kann man sich dann später immer noch suchen. Das ist in meiner Branche mit meiner Qualifikation kein Problem. 

 

Soweit die Überlegungen zu den Möglichkeiten. 

 

Mein Gefühl bei der Sache

Ich habe mittlerweile gelernt, dass ich in Bezug auf meinen Kleinen meinen Gefühlen trauen sollte. 

Und ich muss sagen, dass ich eigentlich nicht glücklich bin, beim Gedanken daran meinen Sohn in die Fremdbetreuung zu geben. Und das, obwohl ich vor der Geburt überzeugt davon war, dass das OK ist.

Besonders da ich auch mit einem Jahr in der Krippe war und ich nicht denke, dass es mir schlecht damit ging. Ich bin auch nicht der Meinung, dass die Betreuungsplätze die ich raus gesucht habe ihren Job schlecht machen. Ganz im Gegenteil. 

Doch wenn ich an meinen Sohn denke, dann glaube ich nicht, dass es ihm leicht fallen wird von seinen Eltern getrennt zu sein. 

Er weint schon, wenn ich ihn mit seinem Vater mehr als eine halbe Stunde allein zu Hause lasse und das, obwohl die beiden viel Zeit miteinander verbringen und viel Spaß miteinander haben. 

 

Ihm wird es auch schnell zu viel wenn es zu laut ist oder die Reize ihn überfluten (hier habe ich darüber ja schonmal geschrieben). 

 

Und nun?

Ja, und nun? 

 

Ich weiß es wirklich nicht. 

 

Wenn wir nicht bald jeden Cent umdrehen wollen, dann muss auch ich etwas dazu verdienen. 

Außerdem würde ich mich freuen, wenn ich endlich wieder arbeiten gehen dürfte (warum habe ich hier schon mal geschrieben). 

Aber ich glaube für den kleinen Mann wäre es besser, wenn er noch etwas bei mir bleiben würde. Oder traue ich ihm einfach zu wenig zu? 

 

Was würdet ihr tun? Bzw. was habt ihr getan als ihr in meiner Lage wart? 

 

Soll ich vielleicht anfangen ein paar Stunden zu arbeiten (20?) und schauen wie wir uns alle damit fühlen und dann neu abwägen? Oder soll ich noch warten? Aber wie kriegen wir dann das Finanzielle in den Griff?

Vielleicht können eure Tipps mir etwas Klarheit verschaffen. 


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Kommentare: 4
  • #1

    Melanie (Montag, 15 Februar 2016 21:56)

    Ich kann dich da total verdienen! Ich bin Mutter zweier Kleinkinder UND Erzieherin in der Krippe. Aber trotzdem ging es mir genauso wie dir. Man macht sich Gedanken. Soll / Muss ich schon wieder arbeiten? Und dann noch dieses schlechte Gewissen der Kinder gegenüber. Jetzt bin ich seit Oktober 2015 unter den Halbtagsarbeitern. Meine Kleine kam also mit 2 im September in die Krippe. Sie geht gerne und es geht ihr wirklich gut dort. Ich war früher immer skeptisch gegenüber wenn man die Kleinen so früh in eine Betreuung schickt und war eher abgeneigt. Doch jetzt wo ich in einer Krippe arbeite und Kinder unter einem Jahr betreue sehe ich das nicht mehr so schlimm. Ich bekomme mit wie sie sich entwickeln und das es ihnen bei uns gefällt und gut geht.Wichtig ist, dass es dir mit dem Gedanken gut geht und das du dein Kind gut aufgehoben fühlst. Checke ruhig die Einrichtungen durch bevor du die Anmeldung ausfüllst. Dann kannst du dein Kind mit guten Gewissen für ein paar Stunden unterbringen :-) Ich arbeite jetzt übrigens 25 Stunden die Woche und bin echt zufrieden damit. :-)

  • #2

    Melanie (Montag, 15 Februar 2016 21:57)

    verstehen nicht verdienen. Oh Gott es ist eindeutig Montag Abend ;D

  • #3

    Anja (Montag, 15 Februar 2016 23:09)

    Ich gehe auch ab Ende Juli wieder arbeiten. Bei uns ist es finanziell nicht anders machbar. Aber meine 2 Großen sind auch mit 1 Jahr in die Krippe gekommen und es hat ihnen nicht geschadet (auch wenn mein kleiner durch ständiges krank nur "Gastkind" war). Ich gehe 35 h pro Woche arbeiten, Kinder haben einen 9h Platz, somit habe ich auch die Möglichkeit noch schnell was zu erledigen nach der Arbeit, ohne die Kinder mitnehmen zu müssen. Bei uns sind die Betreuungskosten aber nicht so hoch.

  • #4

    Franzi - Undjetztfamilie (Dienstag, 16 Februar 2016 13:01)

    Hallo Melanie und Anja,
    Vielen Dank für die aufmunternden Worte.
    Ich habe aber gestern nochmal viel darüber nach gedacht und jetzt glaube ich eine gute Lösung gefunden.
    Wir werden wohl eine Tagesmutter suchen, die die Betreuung während der Überschneidungen von unseren Schichten übernimmt.
    So hat der Kleine eine Bezugsperson, es sind nicht so viele andere Kinder da und die Betreuungszeit ist nicht so lang. Abgesehen davon ist es tatsächlich auch günstiger bei uns als die Kinderkrippe. Hätte ich vorher gar nicht gedacht.
    Ich habe jetzt schon Kontakt mit drei netten Frauen und werde mir das Ganze in den nächsten Tagen anschauen.
    Vielleicht klappt es ja :-)