Die Papa-Baby-Beziehung:

Warum es Papas manchmal einfach schwer fällt

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Quelle: pixabay.com

Ich habe mich letztens mit einer Freundin zum Spazieren gehen getroffen. Wir haben uns während der Schwangerschaft im Krankenhaus kennen gelernt da wir ähnliche Probleme währenddessen hatten.

Heute ging es darum, dass sie denkt, dass der Vater ihres Kindes manchmal nichts mit dem Baby anzufangen weiß. Beispiel war hier: Sie ist in der Küche und kocht, Papa und Baby sind im Wohnzimmer. Sie kommt ins Wohnzimmer und sieht ihr Baby auf der Krabbeldecke wo sie es zurück gelassen hat alleine spielen. Papa liegt daneben auf der Krabbeldecke und schaut in die Luft.

Das war nicht das was sie erwartet hatte, als sie ihren Mann darum gebeten hat mit der 5 Monate alten Tochter zu spielen. Er arbeitet die ganze Woche und bekommt die Tochter nur abends für 1-2 Stunden zu Gesicht. Also soll er sich am Wochenende mehr kümmern um eine Beziehung aufzubauen. 

 

Wie das bei uns ist

 

Mein Mann und ich hatten am Anfang ähnliche Probleme. Im ersten Lebensmonat unseres Sohnes war er zu Hause. Er unterstützte mich viel im Haushalt und mit unserem Sohn. 

Als er dann wieder arbeiten ging bekam ich das Gefühl, dass er sich während der Freizeit zu wenig um seinen Sohn kümmerte. Es wurde immer auffälliger, dass er seine Freizeit besser für andere Dinge zu nutzen wusste. Dass er alleine mit dem Kleinen spazieren ging kam kaum noch vor (im ersten Monat ständig) und auch sonst konnte er scheinbar wenig mit seinem Sohn anfangen. 

 

Elternzeit - Papazeit?


Im vierten Lebensmonat unseres Kindes nahm sich mein Mann einen Monat Elternzeit.

Auch der Mann meiner Freundin soll sich bald Elternzeit nehmen. Wenn es darum geht dies mit seinem Abteilungsleiter zu besprechen und es beim Arbeitgeber zu beantragen druckst er gerade rum.

Als meine Freundin fragte wieso, sagt er dass er befürchtet sich dann die ganze Zeit um die Kleine kümmern zu müssen. Da er sich am Wochenende viel um seine Tochter kümmern soll um die wenige Zeit unter der Woche auszugleichen befürchtete er nun auch während der Elternzeit Hauptansprechpartner des Babys zu sein. Und das machte ihn unsicher.

Dass sich meine Freundin einfach auf die gemeinsame Zeit mit ihm und ihrer Tochter, auf Ausflüge, vielleicht einen kleinen Urlaub und die Zeit als Vollzeit-Familie freute, sah er nicht.

 

Mamas Erwartungen

 

Natürlich hatte auch ich einige Erwartungen an den "Elternmonat" meines Mannes.

Am Anfang dieses Monats verbrachte er viel Zeit mit anderen Dingen. Mit seinem Kind konnte er aber recht wenig anfangen. Er setzte sich mal neben ihn oder nahm ihn auf den Schoß und hielt ihm ein Spielzeug hin. Geredet, Geräusche gemacht oder Ähnliches wurde kaum. Ich bat ihn immer wieder auch mit dem Kleinen zu reden und mehr zu interagieren. Nicht bloß Rassel hinhalten und gut ist...

Irgendwann eskalierte die Situation und wir debattierten etwas heftiger über dieses Thema.

Ich warf ihm vor sich viel zu wenig um seinen Sohn zu kümmern. Ganz im Gegenteil zu der Zeit direkt nach der Geburt.

Mein Mann nannte mir dann mehrere Gründe hierfür.

 

Unsicherheit im Umgang

 

Zum Einen kam es ihm oft so vor, als würde er alles mit dem Kleinen falsch machen. Aus seiner Sicht kritisierte ich ihn oft im Umgang mit dem Baby (ich fand ja, dass ich einfach Tips gab).

Wenn der Kleine beispielsweise weinte (was zu dieser Zeit noch mehrere Stunden täglich der Fall war) hielt er ihn falsch, er schuckelte zu doll, trug zu wenig rum,... Auch in anderen Situationen kam ich zu oft mit, aus meiner Sicht, gut gemeinten Ratschlägen um die Ecke. Das verunsicherte ihn zusehends.

 

Im ersten Monat mit unserem Kind lernten wir beiden den Umgang gemeinsam. Für uns Beide war es das erste Kind und wir hatten beide zuvor kaum Erfahrung mit anderen Babys. Wir befanden uns auf dem selben Wissensstand.

Als er wieder arbeiten ging verbrachte ich natürlich viel mehr Zeit mit dem Kleinen als er. Dadurch gelang es mir immer besser die Bedürfnisse des Kleinen einzuschätzen und zu befriedigen. Für meinen Mann wurde es zusehends schwerer da mitzuhalten, weshalb er immer unsicherer wurde.

 

Nachdem ich das wusste, habe ich ihn wieder viel häufiger machen lassen. Ich hielt mich und meine "Tips" mehr zurück. Wenn der Kleine weinte und mein Mann ihn hatte, versuchte ich ruhig zu bleiben und ihn selbst probieren zu lassen. Es fällt einer Mutter aber nicht sehr leicht neben ihrem weinenden Kind zu sitzen. Deshalb verließ ich auch oft den Raum, wenn ich merkte, dass ich bald eingreifen würde (Oft grundlos, da in diesen Schreiphasen sowieso kein Beruhigen möglich war. Hier hieß es einfach da sein und begleiten.) Das gab meinem Mann die Möglichkeit selbst herauszufinden, wie er mit dem Kleinen umgehen konnte und bestärkte ihn immer mehr.

 

Ist es nicht peinlich mit dem Baby zu lallen?

 

Wie bereits geschrieben war ein weiteres Problem, dass mein Mann nicht mit dem Kleinen sprach. Für die Sprachentwicklung mit Babys ist es wichtig mit Ihnen zu reden. 

Eine Studie von Betty Hart und Todd Risley zeigt, dass Babys aus Familien die viel mit ihrem Baby sprechen mit drei Jahren einen viel größeren Wortschatz haben als Babys mit denen weniger gesprochen wird. Sie können sich bereits viel besser ausdrücken und haben zusätzlich dazu bereits einen höheren IQ als die Babys der "weniger gesprächigen" Familien. Es kommt aber nicht nur darauf an, wieviel man mit den Kindern redet, sondern auch was. Eine zugewandtere Kommunikation und fließendere Unterhaltungen sind effektiver als kleine Anweisungen wie "Heb das auf!". Auch positives Feedback spielt hier eine Rolle. Diese Studie jetzt aber komplett hier auszubreiten führt aus dem Rahmen ;-)

 

Da ich aber sehr oft Kinder treffe, die mit 5 oder mehr Jahren noch nicht in der Lage sind sich halbwegs verständlich auszudrücken, obwohl ihnen körperlich und geistig nichts fehlt, ist es mir wichtig viel mit meinem Kind zu sprechen.

Genauso wichtig ist es auch auf die Sprachversuche der Babys zu reagieren. Dies zeigt eine Langzeitstudie von LeMonda. Wenn Kinder merken, dass Sie mit ihren Sprachversuchen Aufmerksamkeit erregen, werden sie so angespornt weitere Versuche zu unternehmen und erweitern ihren Sprachschatz dadurch viel schneller als Kinder, auf deren Sprachversuche nur selten reagiert wird.

Die richtige Vorgehensweise hierfür unternehmen die meisten Menschen instinktiv: Sie machen die Brabbellaute der Babys nach, freuen sich wenn neue Laute dazu kommen und brabbeln begeistert mit.

 

Für eine Mutter ist es einfacher mit dem Baby zu kommunizieren. Das Baby macht Laute, Mama spricht sie nach. Das scheint bei Mama in den Genen zu liegen.

Da ich sowieso den ganzen Tag mit dem Kleinen alleine bin, spreche ich auch viel mit ihm (die Stille ist sonst echt drückend). Ich sage ihm was wir jetzt machen und was heute so alles ansteht. Beim spazieren gehen erzähle ich ihm welche Farbe die Autos haben, dass wir am Zaun vorbei gehen,...

 

Papa fiel das alles am Anfang noch nicht so leicht.

Er sagte, dass er nicht wüsste was er dem Kleinen erzählen sollte, da ja schließlich auch nur selten eine Reaktion käme. Die Brabbellaute nachzumachen war ihm schlicht zu peinlich :-) 

Ich merke aber, dass es ihm immer einfacher fällt, umso älter der Kleine wird und umso mehr verschiedene Laute er kann. Besonders seit er jede Woche neue Geräusche lernt (Spuckebläschen blubbern, Zunge schnalzen, durch die Lippen pusten,...) hat Papa immer mehr Spass daran verschiedene Laute auszuprobieren und auf die Reaktion zu warten.

 

Die Beschäftigung miteinander 

 

Baby ist vielleicht gerade alt genug um Papas Finger zu greifen oder ihm am Bart zu ziehen und da soll er das Kind schon bespaßen. Das stellte meinen Mann vor ein weiteres Problem, denn er hatte keine Ahnung was er mit dem Zwerg anfangen sollte.

Mein Mann meinte, dass ihm hierbei die paar Termine PEKiP geholfen haben, an denen er am Anfang teilgenommen hat wenn er Spätschicht hatte. 

Ich habe meinen Mann bewusst gefragt ob er da nicht ab und zu mitkommen möchte, weil ich genau darauf gehofft hatte. Beim PEKiP wurden ihm ein paar Anreize gegeben wie er seinen Sohn, während er ja noch so klein ist, beschäftigen kann und wie man ihn bei verschiedenen Bewegungsabläufen unterstützt. Das hat ihm sehr geholfen. 

Aus dem gleichen Grund habe ich auch für unseren Babyschwimm-Kurs einen Termin gesucht an dem er auch ein paar mal teilnehmen kann. Ich möchte, dass es sowohl für meinen Mann als auch für meinen Sohn selbstverständlich ist gemeinsam etwas zu unternehmen. Auch wenn mein Mann dabei oft der einzige unter lautet Frauen ist ;-)

Zum Glück macht ihm das nichts aus und er freut sich immer wenn er sie Zeit hat mitzukommen. 

 

Mein Fazit

 

Für Papas ist das Alles nicht immer so selbstverständlich wie für die Mamas!

Deshalb ist es wichtig, dass man sich offen darüber unterhält bevor zu großer Frust aufkommt. Wenn wir das bereits früher getan hätten, hätten wir vielleicht die ein oder andere Eskalation vermeiden können. Seit wir in diesem Bereich aber offener miteinander reden kommt es zu viel weniger Missverständnissen.

Anfang dieser Woche hat mich mein Schatz sogar gefragt ob ich immernoch finde, dass er zu wenig Zeit mit dem Kleinen verbringt. Und ich konnte klar verneinen! Mama ist endlich zufrieden :-p

 

Es ist wichtig die Probleme des anderen ernst zu nehmen und eine Lösung dafür zu finden. Und wenn die bloß ist, die gut gemeinten Tips stecken zu lassen...  

 

Und tut mir leid, dass das heute etwas länger geworden ist :-)


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