Von Erwartungen, Wünschen und Gefühlen im Mama-Dasein

"Und wie fühlst du dich jetzt so als Mama?"

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 - "Gut, aber manchmal..."

Die Frage kennt bestimmt jeder, aber was soll man darauf antworten? Soll man die Wahrheit sagen um dann ein paar blöde Blicke oder Kommentare riskieren? Oder soll man das ganze einfach als rhetorische Frage abtun, die keine ehrliche Antwort verlangt? Frei nach der amerikanischen "How are you?"-Floskel?

 

Ich liebe meinen Sohn über alles und möchte ihn um nichts auf der Welt missen. Das soll vorneweg gesagt sein.

Aber ich möchte auch einmal ehrlich sein: Habe ich mir das Ganze so vorgestellt? War mir bewusst, dass ich ein Kind bekommen würde was lt. Aussage von Kinderarzt und Osteopath sehr sensibel ist und deshalb monatelang nur schreit? War mir bewusst, dass ich meinen Tagesablauf so extrem einschrenken muss? Dass ich mich nicht mal mit Bekannten zum Kaffee treffen kann, wenn wir bereits am gleichen Tag im Supermarkt einkaufen waren? Dass ich jeden Mittag mit meinem Sohn im Bett liege, obwohl ich vielleicht Hunger habe oder etwas Wichtiges zu erledigen? Ich ihn aber nicht alleine lassen kann, da er sonst aufwacht und wir ohne Mittagsschlaf einen nervenraubenden Abend haben werden?

Einmal, etwa ich vierten Monat meines Sohnes bin ich sogar fast zusammen gebrochen. Ich habe mich mit meinem Mann gestritten, während mein schreiendes Baby daneben lag und ich nicht mehr aufhören konnte zu weinen. An diesem Abend waren zum ersten Mal meine Grenzen erreicht. Mein Mann nahm dann meinen Sohn und ging mit ihm weg. Ich habe eine ganze Weile gebraucht um wieder runter zu kommen.

 

Nein, das war mir nicht bewusst als ich ein Kind bekam und das macht die Sache manchmal doch etwas anstrengend.

 

Ich bin ein aktiver Mensch und möchte viel raus, mich mit anderen Leuten treffen und mich unterhalten. Die ersten Lebensmonate meines Sohnes habe ich das auch noch ausgelebt.

Ich bin einkaufen gegangen und war danach bei einer Freundin um gemeinsam einen Kaffee zu trinken. Manchmal ist es etwas länger geworden und wir sind dann auch noch zum Abendbrot geblieben.

Sohnemann hat währenddessen die Umgebung bestaunt und zwischendurch, nach langen rumtragen, schaukeln und schluchzen, ein kurzes Nickerchen gehalten. Danach war die Welt wieder in Ordnung und es wurde weiter geschaut und entdeckt.

Abends dann der Supergau: stundenlanges Geschrei, keine Chance den Kleinen zu beruhigen, Frustration.

Wir stellten den Tagesablauf komplett um. Hier habe ich darüber schonmal geschrieben.

Seitdem ist das mit dem Schreien viel besser geworden.

Wir machen bloß eine Unternehmung am Tag, legen uns gemeinsam zum Mittagsschlaf hin, bleiben viel zu Hause und spielen dort. Es wird gelacht und Faxen gemacht und abends geht es ohne Schreien und Weinen ins Bett.

 

Und Mama fällt die Decke auf den Kopf!

 

Manchmal bekomme ich hier echt Heimkoller! Gestern waren wir z.B. beim Babyschwimmen. Mein Mann hatte einen freien Tag, also nutzten wir die Gunst der Stunde und fuhren danach in die Stadt. Baby war vom Schwimmen so geschafft, dass er im Auto einschlief. Wir ließen ihn schlafen. In der Stadt blieb Papa mit ihm im Auto und Mama ging zum Frisör (nach zwei Monaten endlich). Als Sohnemann ausgeschlafen hatte stießen sie zu mir. Dann schlumperten wir etwas herum, aßen etwas verspätet zu Mittag und fuhren dann nach Hause.

Der Abend war dann anstrengend. Quengeln, schreien, nicht liegen, nicht herumtragen, nicht sitzen, nicht spielen, nicht schlafen.

Was macht Mama? In Gedenken daran, dass wir heute vormittag zum Pekip gehen, sage ich die Verabredung für Nachmittags zum Spazieren gehen und Kaffee trinken ab. Besser ist's wir lassen es heute ruhig angehen und bleiben wieder allein zu Zweit daheim. Freundin ist sauer, Mama gelangweilt und Baby geht's gut. Ist ja auch die Hauptsache.

 

Natürlich will ich, dass es meinem Kind gut geht.

 

Gerne würde ich aber auch mal etwas alleine für mich unternehmen. Sport machen, ins Kino gehen (das fehlt mir so!) oder mich mit Freunden treffen ohne Baby.

Da Sohnemann aber keine Flasche nimmt sind Mamas Ausgehzeiten sehr begrenzt. Wenn ich dann außer Haus bin, schreit er die ganze Zeit bis ich wieder zu Hause bin. Und das obwohl mein Mann und er sehr viel Zeit miteinander verbringen und super miteinander auskommen wenn ich zu Hause bin.

Das heißt, dass ich mir Sorgen mache und mich das schlechte Gewissen plagt, wenn ich die Beiden zu Hause alleine lasse.

Also kommt das nicht so häufig vor.

 

Nix da Kino für Mama...

 

Ich beneide meinen Mann manchmal sogar darum, dass er arbeiten gehen darf und ich nicht. Dabei habe ich mich aus vollem Bewusstsein dazu entschieden mindestens das erste Jahr zu Hause zu sein, zu Stillen und die Zeit mit meinem Baby genießen zu wollen. Und das tue ich auch. Sehr. Nur manchmal ist da eben etwas Wehmut...

 

Manchmal habe ich ein schlechtes Gewissen, weil ich meinen Sohn so gerne an meinen Mann abgebe, wenn dieser zu Hause ist. Dann schnappe ich mir Laptop oder Handy, surfe, blogge und recherchiere (manchmal zocke ich auch etwas, aber psst). Wenn ich schon 24h am Tag für Sohnemann zur Verfügung stehen muss, dann darf ich doch auch mal abschalten, oder? Trotzdem sagt mein Gewissen, dass ich mich schämen muss, wenn ich froh darüber bin wenn sich mal jemand anders kümmert...

 

Und auch Gesundheit kommt nicht von ungefähr.

 

Ich bin jetzt seit mehreren Wochen krank und werde nicht gesund. Trotz Antibiotikum, Ibuprofen, frischer Luft und allen möglichen Hausmittelchen wird es nicht besser. Ich fühle mich beschissen (auf gut Deutsch). Ich hatte noch nie so lange mit einer Krankheit zu kämpfen. Woran liegt's? Mir fehlt der Schlaf, die Ruhe, mal einen Tag im Bett bleiben und Ausruhen. Nicht rumtragen müssen, nicht lustig sein müssen, nicht immer da sein müssen... Nur ein Tag Ruhe... 

Mein Mann versucht mich dabei sehr zu unterstützen. Wenn er Spätschicht hat nimmt er den Kleinen morgens und kümmert sich um ihn damit ich länger schlafen kann. Aber irgendwann muss ich wach werden zum Stillen... Er bringt den Kleinen abends ins Bett und kümmert sich dann auch ein paar Stunden um ihn damit ich schon früher schlafen kann. Er übernimmt die Einkäufe, macht viel im Haushalt. Und ich bin ihm so dankbar dafür! Und trotzdem. Nachts alle 2-3 Stunden stillen. Tagsüber wenn wir alleine sind bespaßen, trösten, bei jedem Schläfchen tagsüber 10 Minuten in die Ohren schreien lassen, rumtragen trotz pochender Kopfschmerzen... Manchmal ist das einfach zu viel.

 

Und deshalb muss ich hier auch mal etwas jammern. Es ist nicht immer alles Eitel-Sonnenschein. Trotzdem liebe ich mein Kind, ich bin so gerne Mama, dass ich sogar in meiner "Freizeit" (Mittagsschlag, Nachts, Papa-Zeit) darüber schreibe, mich mit anderen austausche, zu Familienthemen recherchiere und jetzt kommt's:

 

niemand hätte es je gedacht

 

gestern tatsächlich zu meinem Mann gesagt habe, dass ich überlege nicht wieder Vollzeit arbeiten zu gehen. Wer mich kennt und meine Einstellung zur Arbeit (Workoholic und stolz drauf) der weiß wie ungewöhnlich diese Entscheidung für mich ist.

 

Und ich habe totzdem noch nicht eine Minute meines Mama-Daseins bereut. Denn ich wollte dieses Kind, ich liebe ihn, ich freue mich wenn er lacht, ich bin stolz auf ihn, wenn er auch ein ganz kleines Stück Hackbraten irgendwie in seinen Mund bekommt und mich dann ganz stolz anschaut und ich bin so gespannt was in Zukunft noch alles auf uns zukommt und will ihn immer bei Allem bestmöglichst unterstützen. Egal ob ich dafür meine Bedürfnisse zuückstellen muss, egal ob es mir manchmal nicht gut damit geht.

 

Denn ich bin schließlich die Mama die auch mal jammern und heulen darf!


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Kommentare: 4
  • #1

    Mia Bruckmann (Freitag, 15 Januar 2016 17:12)

    Ach du Liebe, ich weiß genau, was du im Moment durch machst! Als ich vor 10 Jahren meinen ersten Sohn zur Welt gebracht habe, ging es mir anschließend exakt wie dir! Mein " altes" Leben samt seiner Abläufe war mit der Geburt " gestorben ". Es dauerte bei mir 3 Monate, bis ich mir einen neuen Rhythmus mit Baby erarbeitet hatte. Davor herrschte bei mir zuhause und in mir drin, das pure Chaos. Halt durch! Die Unruhe beim Baby wird besser. Ich ging damals mit meinem Sohn zur Osteopatin zur Craniosacral-Therapie. Sie löste bei uns ein Geburtstrauma und eine Blockade im Nackenbereich meines Kindes ( Kiss-Syndrom). Danach waren mein Sohn und ich nicht wiederzuerkennen. Auch du wirst dich in deiner neuen Rolle als Mama zurecht finden. Du wirst dich neu organisieren, so dass Treffen mit Freundinnen wieder stattfinden. Es wird anders als früher werden, aber es wird gut! Halte nicht an alten Mustern fest, denn diese greifen jetzt nicht mehr. Lass dich voll und ganz auf dein neues Leben ein und du wirst entspannen. Ich weiß genau wie es dir geht. Alles neu, so viel Unsicherheit und dazu die " gut gemeinten Ratschläge" von Gott und der Welt. Mein Tipp: mach alles so, wie DU meinst. Höre auf dein ureigenes Bauchgefühl und alles wird gut! Ich wünsche dir viel Kraft und Zuversicht! Du schaffst diese harte Anfangszeit, hab nur Mut!❤️

  • #2

    Mama - UndJetztFamilie (Freitag, 15 Januar 2016 21:02)

    Liebe Mia,

    vielen Dank für deine ermutigenden Worte :-)
    Ich habe mich sehr gefreut und finde das wirklich soooo lieb!
    Die große Schrei-Phase haben wir glücklicherweise ja seit kurzer Zeit überstanden und meinen täglichen Rythmus habe ich auch schon.
    Nur das Decke-auf-den-Kopf-fall Gefühl bleibt halt noch. Aber auch das wird natürlich noch besser. Mir ist bewusst, dass es den meisten Mamas so geht wie mir. Leider scheint das aber im Umfeld gar nicht so vielen Leuten bewusst zu sein.

    Toll, dass dir und deinem Kind von deiner Osteopathin so gut geholfen werden konnte!

    Liebe Grüße,
    Franzi

  • #3

    Tani (Dienstag, 19 April 2016 14:03)

    Hallo,
    ich finde es super, dass du hier auch mal sagst, dass es beschissene Zeiten gibt, dass du gerne Zeit für dich hättest. Ich kann dich sehr gut verstehen. Ich fühle mich auch manchmal überfordert und würde meinen Zwerg am liebsten mal für 2 Stunden bei seinem Papa abgeben und nur etwas für mich tun, oder mal den Haushalt machen. Momentan liege ich bei meinem Junior im Bett damit er sich mal ausschläft. Uns gehts also so wie euch.
    Es tut gut zu wissen, dass es auch anderen mamis so geht. Danke für deine tollen Artikel. :-)

  • #4

    Franzi - UndJetztFamilie (Dienstag, 19 April 2016 20:56)

    Hallo Tani,

    hast du heute etwas bei uns rumgestöbert, ja?
    Manchmal muss der Frust halt raus.
    Aber es wird bei uns langsam besser.
    Gestern hatte ich eine echt schlimme Nacht und dann tagsüber ein Vorstellungsgespräch. Mein Mann hatte glücklicherweise frei.
    Er hat den Kleinen gleich morgens genommen und war dann den ganzen Tag mit ihm unterwegs. Ich habe mein Kind dann erst abends zu Gesicht bekommen.
    Es war so ungewohnt ohne den Kleinen zu sein, aber ich sag's dir. Ich habe es noch nie so genossen vorm Fernseher auf der Couch zu frühstücken, etwas rumzulümmeln und mich dann in Ruhe fertig zu machen.
    Ich hoffe das gibt's jetzt öfters ;-)

    LG Franzi